Intelligenz, Kausalität, Korrelation, Koinzidenz

Bei der Erforschung von künstlicher Intelligenz gibt es unterschiedliche Ansätze. Zum einen gibt es die Anhänger von Expertensystemen, die zum Ziel haben wissensbasierte Systeme zu entwicklen. Die Expertensysteme sollen Aufgaben lösen, die heute nur menschliche Experten lösen können. Dazu werden Fakten und Ursache-/Wirkungsprinzipien als exploratives Wissen und Regeln gespeichert. Zum anderen gibt es auch Ansätze die Nervenzelle des Menschen als Vorbild zu nehmen. Intelligenz ergibt sich durch die Informationsverarbeitung im Gehirn. Durch künstliche neuronale Netze wird versucht intelligentes Verhalten zu simulieren.

Intelligenz (lat.: intelligentia „Einsicht, Erkenntnisvermögen“, intellegere „einsehen, verstehen“) bezeichnet im weitesten Sinne die geistige Fähigkeit zum Erkennen von Zusammenhängen und zum Finden von Problemlösungen. Intelligenz kann auch als die Fähigkeit, den Verstand zu gebrauchen, angesehen werden. Sie zeigt sich im vernünftigen Handeln [1].

Vernünftiges Handel setzt Vernunft voraus. Das ist die Fähigkeit des menschlichen Geistes, von einzelnen Beobachtungen und Erfahrungen auf universelle Zusammenhänge in der Welt zu schließen, deren Bedeutung zu erkennen und danach zu handeln [2].

Dazu gehört Kausalzusammenhänge zu erkennen. Kausalität (v. lat.: causa = Ursache) bezeichnet die Beziehung zwischen ursächlichen Ereignissen und deren Wirkung. Die Kausalität hat eine feste zeitliche Richtung, die immer vom ursächlichen Ereignis ausgeht, auf der die Wirkung folgt [3].

Zwei gemeinsam auftretende Ereignisse A und B lassen sich stets in vier Kategorien einteilen [4]:

  1. A verursacht B
  2. B verursacht A
  3. eine gemeinsame Ursache X hat sowohl A als auch B zur Folge
  4. A und B treten – ohne jeden Zusammenhang – zufällig zur gleichen Zeit auf

Ob zwei Ereignisse eine Wechselbeziehung (Korrelation) haben, kann empirisch nachgewiesen werden. Wobei es kein Beweis im mathematischen Sinne ist, sondern es wird geprüft, ob zwei Ereignisse oft gleichzeitig (koinzident) auftreten [5].

Eine Koinzidenz (con, lat. = mit; incidere, lat. = einfallen) ist das zeitliche, jedoch nicht notwendig räumliche Zusammentreffen von zwei oder mehr Ereignissen [6]. Koinzidenzen bilden den Kern vieler wissenschaftlicher Theorien, weil sie ein Indiz für die Nicht-Zufälligkeit von Ereignissen darstellt.

Beispielsweise höre ich Kirchturmglocken läuten und schaue auf meine Armbanduhr: Es ist 12 Uhr. Es sind also zwei Ereignisse die zeitgleich erfolgen (und hier auch räumlich getrennt sind). Es liegt eine Koinzidenz vor. Wenn das jeden Tag passiert, dann handelt sich möglicherweise um keinen Zufall. Ich überlege dann vielleicht, ob die beiden Ereignisse miteinander korrelieren. Wenn das der Fall sein sollte, so kann ich die beiden Ereignisse einer der vier Kategorien zuordnen. Aufgrund meiner empirischen Untersuchungen - jeden Tag um 12 Uhr passiert das selbe - würde ich die Kategorie IV als unwahrscheinlich ansehen.

In Frage kommen noch die Kategorien I-III:

  1. Durch das Läuten der Glocken zeigt meine Uhr 12 an.
  2. Durch das 12 Uhr Anzeigen meiner Armbanduhr werden die Glocken der Kirche zum Läuten gebracht.
  3. Irgendein gemeinsames Ereignis bringt meine Armbanduhr dazu 12 Uhr anzuzeigen und gleichzeitig die Glocken zum Läuten.

Da das Läuten und das 12-Uhr-Anzeigen zur selben Zeit erfolgen, scheiden die Kategorien I und II aus. Denn eine Ursache-/Wirkungsbeziehung ist immer auch eine zeitliche Beziehung. Die Ursache passiert vor der Wirkung. Es verbleibt deshalb die Vermutung, dass die beiden Ereignisse eine gemeinsame Ursache haben, also Kategorie III.

 
 
 
 

These

Intelligentes, vernünftiges Handeln ist erst mit dem Erkennen und Lernen von Kausalzusammenhängen möglich. Neuronen in unserem Körper dienen dazu. Über unterschiedliche Sensoren nehmen sie unsere Umwelt wahr. Sie detektieren Koinzidenzen zwischen Umweltreizen und lernen einfache Zusammenhänge durch "berechnen" von Korrelationen.

 
 




Detlef Brand
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